Einlassen statt Aushalten

 

Hallo mein Freund,

Es mag verlockend sein, das Leben dadurch zu „bewältigen“, daß Du die Menschen um dich herum schaffst, auszuhalten, zu kontrollieren, zu managen. Dafür kannst Du es lernen, ein künstliches Ich in Dir zu schaffen, in das nichts und niemand hinein darf. Alle anderen, werden außerhalb dieses Kunst-Iches gehalten – sie werden ausgehalten. Ärzte, Therapeuten, Sozialarbeiter und Eltern greifen sehr gerne zu diesem Mittel. Es hat sich schliesslich schon oft bewährt. Und wenn noch nicht, dann war mein „Ich“ wohl einfach noch nicht gut genug entwickelt.

Nein. Das ist nicht mehr der Zeit gemäß.

So war das also in der bisherigen Welt. Einige lernen sogar in speziellen Ausbildungen, in diese indirekte Kampfansage zu gehen. Wieso Kampfansage? Weil dadurch der andere von Berufswegen subtil dominiert werden soll. Undzwar alles unter edlen Rechtfertigungen. Klare Hierarchie ist schliesslich etwas dringend Nötiges. Aber jede Dominanz ist ein Kampf, weil natürlich Niemand auf ewig einsieht, das er sich unter zu ordnen hat. Daher muss dann das Therapeuten-Ich, wie es oft auch genannt wird, noch mehr intensiviert werden.

Nein. Das wird auf Dauer nicht funktionieren.

Diese Art des Seins fühlt sich eindeutig sehr unnatürlich an. Ein Kunst Ich erkennst Du immer daran, dass es noch eine innere Distanz irgendeiner Art zum anderen gibt. Ja den anderen überhaupt vorsätzlich als einen Anderen zu bezeichnen ist bereits schon ein klares Zeichen für ein unnatürliches Ich.

Der allererste Impuls, wenn Du einen neuen Menschen triffst – undzwar egal wen -, mag aus Ego-Gewohnheit heraus sein, dass Du im Bauch eine Grenze setzt, um Dein Kunst-Ich zu schützen. Es ist normal, wenn es automatisch geschieht. Mir selbst geschieht es immer wieder täglich. Aber nun ist es an der Zeit, genau diesen Bauch-Widerstand zu erkennen und frei zu lassen. Der Widerstand im Bauch will nämlich eigentlich nur in Dich hinein, um in Dir bis in das Herz aufsteigen zu können, um ENDlich zu heilen. Alles, was Du in Dein Herz lässt, ist vorbei. Für immer.

Es ist also meine ganz klare Übungs-Empfehlung, bewusst jeden Tag in jeder Situation zu schauen, ob gerade etwas an die Tür Deines Bauches klopft, dieses anzunehmen und freiwillig hinein zu lassen. Dadurch kann nun auch endlich eine echte Begegnung statt finden. In Vertrauen und vom Herzen geführt geschieht nun immer das Heilsame.

Wenn wir uns begegnen, lasse ich Dich auch gerne ein, egal, wie turbulent es dadurch anfänglich in mir sein mag. Dadurch kommen wir alle endlich zurück zum wahren Selbst, statt weiterhin mit konstruierten Selbsten/Ichs die uralten Konflikt-Rollenspiele wieder und wieder zu wiederholen.

Amen.