Hallo mein Freund,

da jeder von uns dringend Entwicklung nötig hat, ist es vollkmommen klar, dass es in mindestens einer unserer Beziehungen knirschen darf. Es ist die Natur jeder Seele, sich selbst erkennen und weiterentwickeln zu wollen. Dieser Ur-Trieb ist mit der Zeit durch kein gesellschaftliches Dogma in Schach zu halten.

Viele Menschen gehen fremd, sobald es mit dem Ehepartner kein interessantes Knirschen mehr gibt. Wenn Dein Lebenspartner die einstige Vereinbarung der Monogamie bricht, dann könntest Du dies auch als wachrüttelndes Geschenk sehen, oder?

Einige Menschen sind noch nicht im bewussten freiwilligen Prozess ihres Erwachens. Stattdessen probieren sie – so gut sie können – einen speziellen monogamen Traum zu realisieren. Dieser monogame Traum ist meiner Ansicht nach eine relativ junge Erfindung innerhalb der Menschheitsgeschichte. Er wurde für Menschen erdacht und propagiert, die dadurch zu einem Punkt geführt werden können, den ich sehr fraglich finde. Vermutlich haben die Menschen an diesem Punkt einfach die meiste Zeit, äußerlich zu arbeiten, während sie innerlich kaputt gehen.

Was ist bezüglich des dauerhaften eigenen Erwachens innerlich erreicht, wenn äußerlich Mann, Frau, zwei Kinder, ein Haus, zwei Haustiere usw realisiert wurden? Wie kann wirkliche Entwicklung geschehen, wenn der intensive sexuelle Austausch mit weiteren Seelengeschwistern unterbunden wird? Es wird in einer monogamen Beziehung vermutlich immer der Punkt kommen, wo alles voneinander gelernt wurde, was es zu lernen gibt. Das kann nach ein paar Monaten oder nach vielen Jahren sein. Und dann werden die Menschen unzufrieden, weil es an der nötigen geistigen Nahrung fehlt, die für die Weiterentwicklung so wichtig ist.

Es muss reiben und knirschen, um überhaupt all die noch ungesehenen inneren Ecken und Kanten wahr zu nehmen. Dafür ist hin und wieder auch einmal ein neuer Sexualpartner sinnvoll.

Die Hollywoodromantik ist selbst in Hollywood nicht mehr aktuell, aber solange es in der partnerschaftlichen Beziehung immer wieder mal reibt, bist Du dennoch mit dem richtigen Partner zusammen – zumindest aus der Sicht Deiner Weiterentwicklung.

Monogamie ist nach meiner Einschätzung ein ganz guter Startpunkt, um zunächst einmal in einer gefühlten Sicherheit anzukommen. Mit der Zeit sind jedoch Unzufriedenheiten vorprogrammiert, da die naiven Regeln, auf die sich zwei Menschen zunächst geeinigt hatten, und die den Sinn hatten, Sicherheit zu vermitteln, sich ab einem bestimmten Punkt eher wie eine Gefangenschaft anfühlen werden. Meist nur von einem der beiden monogamen Partner.

Und genau hier und jetzt fängt dann die eigentliche Beziehung an, in der auch Weiterentwicklung geschieht. Beide Weltbilder dürfen nocheinmal komplett hinterfragt werden. Ehrliche Öffnung wird die einzige Lösung sein, statt in der nächsten monogamen Beziehung das Drama zu wiederholen. Das Herz und der Geist sollten für den Partner immer geöffnet bleiben – egal, was geschieht. Hier fängt das Leben an.

Polyamorie bedeutet nun, dass das Herz und der Geist noch für einen oder mehrere weitere Partner geöffnet wird und solange alles beherzt geschieht, darf und sollte natürlich auch körperliche Nähe im Spiel sein. Tiefste Themen treten dadurch in das Bewusstsein der Beteiligten. Älteste Dogmen werden nun noch einmal neu angesehen.

Jede neue Vereinigung von zwei Seelen ist sowohl ein Test auf die wahrhaftige Verwurzelung der beiden beteiligten Familien mit den Ahnen, als auch eine Chance, mithilfe der jeweils neuen Einflüsse zu wirklicher Weiterentwicklung zu gelangen. Wichtig ist andauernde Offenheit und Selbstreflektion bei den beiden mutigen Menschen.

Amen.